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Auf dem Weg von Kayseri nach Yüksekova

4 Comments

Der gestrige Dienstag war ein langer Fahrtag von Kayseri nach Van mit über 900 km. Da der heutige Mittwoch ein Ruhetag sein sollte, was durch den “Pannentag” verhindert wird, bin ich heute nur ca. 200 km von Van nach Yüksekova gefahren. Die Gegend ist bezaubernd aufregend und ich bin mitten in Kurdistan, was, wenn ich dem politischen Genre Glauben schenken mag, eine unsichere und gefährliche Gegend sein soll.

Auf der Strecke nach Van ist auffällig, es sind noch weniger Fahrzeuge auf den Strassen, als ich dies bislang bemerkte. Der Charakter der Autos ändert sich hin zu SUVs-Trucks mit VW Amarak, Nissan Navara, Toyota Hilux, Ford Rangers  etc. was auf exekutive Besitzer schließen läßt. Polizei- und Militärkontrollen werden dazu immer häufiger des Autofahrers Leid.

Vor der Stadt Mus mußte ich anhalten, Motor abstellen und warten bis ein Offizier kam. Dieser kam in seiner blauen Uniform, daher vermute ich eine Polizeikontrolle, zum Fahrzeug und unter lautem Reden reichte er mir seine Hand in die ich einschlug. Ich sagte nur Iran, Iran und er reichte mir erneut die Hand und verabschiedete sich nach dem Motto: “Wenn du nicht unser Feind bist, dann bist du mein Freund”. Ich verabschiedete mich mit einem “good bye” und passierte den Checkpoint.

Die Checkpoints sind so angelegt, dass man durch ein Spalier von ca. 3 m hohen Betonwänden auf einer Länge von 10 bis 15 m durchfahren muss, eingangs und ausgangs von Patrouillienfahrzeugen gesichert, die Flak aufsetzt haben. Bewacht werden die Points von Personen mit Kampfgewehren. Weiter im Osten waren dann auch Schnüre über den Asphalt gelegt, wo ich vermute, daß damit Sprengfallen ausgelöst werden können. Checkpoints der Polizei und des Militärs unterscheiden sich nur hinsichtlich des martialischen Auftretens und der personellen Besetzung, die bei den Militärs wesentlich höher ist.

Von einem Wahlkampf, der im Westen der Türkei unter hohem Aufwand betrieben wird, ist hier gar nichts oder nur sehr wenig zu sehen. In Van gabe es eine kleine Wimpelallee, die sich aber bald auflöste. Stattdessen besinnt sich die herrschende Partei in dieser Gegend auf einen Patriotismus, d.h. es werden nur türkische Fahnen geflaggt, als Zeichen hier ist Türkei und kein anderer Staat.

Aus dem Gesehenen schlußfolgere ich, hier hat jemand richtig Angst um seinen Einfluß und letztendlich um seine Macht.

Die Landschaften verändern sich stetig. Weit ausladende Hochtäler wechseln ab mit kleinen Pässen, in überschaubare Tiefebenen und dann in die Seenlandschaft mit dem größten See, dem Van See. Abhängig von der Geologie und dem verwitterten Produkt des Bodens, erinnern die Talhänge an das Allgäu, teils sind diese Almen mit Baumwerk durchsetzt, teils herrscht trockene Einöde vor.

 

Landschaft ca. 50 km östlich Kayserie.

Moschee an der Strecke nach Van, Zeit zum Innehalten, Zeit für das 2. Gebet oder der notwendige Truckstop.

Hochtal durch die Blume gesehen.

Blick über das bewachsende Schwemmland auf den Vansee.

Kurdische Bauern in Feierabendpose Nähe Vansee.

Kommunikationslaube oder Büütchen am Vansee.

Heute Mittwoch, der 20.06. lag, wie geschrieben, nur eine kurze Tagesetappe vor mir. Die Straßen werden deutlcih schlechter, sind teilweise im Bau und die Kontrollen werden immer häufiger. Außer von ein paar Kleinstädten ist keine menschliche Besiedelung sichtbar. Die Berge erheben sich majestetisch bis über 4.000 m und die Gipfel sind noch mit Schnee bedeckt. Den ersten Paß den ich überfahre ist 2.730 m üNN hoch. Es herrschen hier angenehme Temperaturen von 16 bis 18 Grad und die Sonne meint es gut mir.

 

Kurdischer Schäfer

 

Burg und Moschee oder das weltliche über dem religiösen.

Mohnfelder an der Straße nach Yüsekova

Gegen 11 Uhr erreiche ich Yüksekova und das Hotel ist nach wenigen Minuten gefunden. Es gibt keinen Hotelparkplatz, ich parkte das Auto auf einem privaten Oto parking. Drei junge Burschen bewachen den Parkplatz und kassieren die Parkgebühr von 3 TL. Ich wurde eingeladen mich zu setzen und dann schauten wir uns eine Weile an, tauschten paar Worte aus und ich wollte bezahlen, was aber vehement abgelehnt wurde. Qasi als Gegenleistung durfte ich Sie fotographieren.

Drei Jungs vom Oto Parking in Yüsekova

Den Nachmittag verbrachte ich dann “im Büro” mit dem Aufarbeiten von emails und dem Schreiben des blogs.

Mit dem Grenzübertritt morgen wartet ein neuer Reiseabschnitt auf mich, der schon heute Spannung und Vorfreude auslöst.

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4 thoughts on “Auf dem Weg von Kayseri nach Yüksekova”

  1. HGZ sagt:

    Informativer Blog mit Bildern von interessanten Landschaften

  2. Christiane Zell sagt:

    Hallo, Herr Härle. Mit Begeisterung lese ich Ihren Blog. Ich bewundere Ihren Mut……… Weiterhin gute Fahrt.

    MfG

  3. Harald List sagt:

    Die über die Fahrbahn gelegten Seile sind Strassensperren. Der Soldat muss das Seil nur hoch ziehen…
    Kenne ich aus Libyen.

    1. Da waren keine sogenannten “Reifenschneider”, die sah ich zuhauf an anderer Stelle.

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