Menu

Iranistan

0 Comments

Donnerstag in der Frühe machte ich mich, auf mein Auto zu holen. Unten an der Rezeption schliefen die beiden Angestellten auf dem Boden. Einen mußte ich wecken, da die Hoteleingangstür abgeschlossen war, er warf mir die Schlüssel zu und ich konnte nach draußen gehen.

Die gepanzerten Fahrzeuge, die ich die ganze Nacht von meinem Fenster aus beobachtet hatte, waren abgezogen. Die Straßen waren fast gespenstisch leer. Ein Rollstuhlfahrer hat sich die Decke über den Kopf gezogen und schlief noch, während ein paar Männer palavernd der letzten Nachtereignissen genußvoll ihren Tee schlürften.

Schlafender Rollstuhlfahrer mit Decke über dem Kopf vor einem Hoteleingang

Morgentliche Männerrunde beim Tee in Yüksekova

Mein Autoparkplatz war verschlossen, ein gutes Zeichen der Sicherheit und ich entwirrte die Plastikbänder mit denen die Tür verschlossen war.

Es hielt mich nichts mehr in Yüskekova, sagte dem Bäcker beim Broteinkauf ein bye bye und fuhr los Richtung Iran.

Mein Bäcker in Yükeskova

Es ist ein ganz erhabendes Erlebnis in den frühen Morgenstunden bei einem ganz besonderen Licht in dieser gottverlassenen Gegend durch die Bergwelt zu fahren. Ich komme mir vor als ob ich der alleinige auf dieser Welt bin. Nach ca. 1 Stunde Fahrt erreichte ich die türkische Grenzstation Escendere.

Bergdorf auf dem Weg nach Escendere

Die baulichen Einrichtungen sind modern, was fehlte waren die Grenzbeamten. Ich war ein wenig ratlos wo ich hinzugehen hatte, bis mir ein Mann den Weg zur Immigration zeigte. Es war nicht die Einreisesektion sondern ein Sonderbüro, vielleicht als Ersatzbüro für die Ausreise gedacht. Der Beamte unterbrach sein Frühstück und ließ sich die Papiere zeigen. Danach gingen wir gemeinsam zum Auto, er verglich die Angaben in den Papieren mit dem Kennzeichen und wies mich an, dass Auto umzusetzen. Nach zwei Telefonaten gab er mir die Papiere zurück, öffnetete das Gittertor und ich konnte durchfahren.

In 50 m Entfernung waren 11 Ausreiseschalter aber keiner war besetzt. Ich irrte auf dem Gelände und suchte den Eingang zur Passstelle, die ich dann auch mit Hilfe eines zufällig vorbeikommenden Mannes fand. Mein Paß wurde dann sogleich abgestempelt und ich nahm erneut Fahrt von weitere 20 m auf, bis zum nächsten eisernen Tor. Nach 10 Minuten des Wartens setzte sich ein Mann in einen der Ausreiseschalterhäuschen, ließ sich Paß und Versicherungsschein zeigen und machte mir dann elegant den Weg zur Ausreise frei, indem er auf den Schalter für das hydraulikbetriebene Tor drückte und mir einen guten Tag wünschte.

War das jetzt ein Kennenlernen von Europa’s zukünftiger Außengrenze?

Nun stand ich im Niemandsland, ein Streifen von ca. 10 m Breite, eingeklemmt zwischen Eisentoren. Hinter mir schloß sich das Tor, vor mir das geschlossene Tor des Irans, bewacht von einem Soldaten. Nach 10 Minuten des Wartens zeigte der Soldat an, es kann losgehen. Ich passierte das Tor und musste unmittelbar dahinter stoppen. Wieder vergingen die wohl obligatorischen 10 Minuten, bis ein Offizier aus der Baracke trat und mein Auto inspizierte. Es war eine kurze Kontrolle des Wageninnerns und ich solle in das anstehende Gebäude gehen. Das Zollgebäude hat morbiden Charme, Boden und Wände sind mit weißem Marmor ausgelegt, die Büroräume mit dunklem Nußholz facettiert. An einer kleinen Schlange wartender Einreisender vorbei, wurde ich privilegiert behandelt und erhielt meinen Paß nach wenigen Minuten zurück.

Dann sprach mich ein Mann an, er wolle mein Carnet des Passages sehen, also wußte ich jetzt, dies ist das Zollprozedere. Das Carnet wurde dem Direktor vorgelegt, dieser reichte es weiter an einen jungen Mann der mich aufforderte, mitzukommen. Wir gingen ca. 200 m in ein anderes Gebäude, hier wurde das Carnet abgestempelt. Es kam ein Mann hinzu und ich wurde gefragt ob ich Geld tauschen wolle, was ich verneinte. Danach gingen wir wieder zurück ins Zollgebäude. Ein „Laufzettel“ wurde erstellt und unterzeichnet, dann wurde ich von dem freundlichen Herrn verabschiedet und angewiesen das nächste Büro aufzusuchen.

Warum und wieso wurde mir nicht klar, da Paß und Zoll erledigt waren. Ich setzte mich auf den einzigen Stuhl in dieser staubigen Bürobarracke und der Beamte, ein stattlicher Mann von 110 kg Körpergewicht, füllte ein Formular aus, was er abstempelte, nachdem er den Stempel aus seiner Jackentasche holte. Er gab mir dann zu verstehen, daß ich gehen konnte. Bevor ich ins Auto steigen konnte fragte mich ein weiterer Mann ob ich Geld wechseln möchte, wa sich ablehnte.

Nach 150 m Fahrt wurde ich angehalten und ein junger Mann forderte mich auf auszusteigen und an seinen Büroschalter zukommen. Dieses Büro entsprach einem modernen Containerbüro und ich mußte meinen Kfz-Schein vorlegen, den er mit seinem Smartphone abphotographierte. Jetzt kam ein weiterer Mann hinzu und fragte ob ich Geld wechseln möchte. Ich sagte ja aber nur auf der Bank, da ich den Kurs, zudem gehandelt wird, nicht kennen konnte. Der junge Mann aus dem Büro meinte, seine Prüfung würde 10 Minuten dauern, ich könne zur Bank gehen. Der andere Mann zeigte auf ein Hinweisschild aus dem hervorging, 76.000 Rial für ein Auto….. Ich ging davon aus, daß für diesen Betrag eine Versicherung abzuschließen oder eine Gebühr zu entrichten sei. Also machten wir uns auf zur Bank zu gehen.

Lautredend wurde ich in der Bank angekündigt, daß ich Euro tauschen möchte, da kam von ganz hinten ein Bankangestellter , vermutlich der Chef dieser Filiale und informierte, daß die Bank kein Geld wechseln würde. Ich mußte das so glauben, was mir radebrechend übersetzt worden ist. Mein Begleiter fragte mich welchen Kurs ich vorschlage und ich nahm den offiziellen Kurs, an den ich mich erinnere von 49.000 IRR für einen Euro. Er bot mir einen Kurs von 16.000 an was ich ablehnte. Er erhöhte auf 17.000 und ich mußte mangels Alternativen notgedrungen zusagen.

Zurück am Conatinerbüro erhielt ich meinen Kfz-Schein wieder und als ich fragte, ob den die Zahlung der 76.000 noch erfolgen müsse, wurde diese vereint, alles sei in Ordnung.

War damit der Weg nun frei? Ich hatte ja noch meinen Laufzettel, diesen gab ich am nächsten Kontrollhäuschen dem Schalterbeamten, der dann auch die Schranke zur Ausfahrt öffnete. In dem Moment wo ich losfahren wollte, wurde von der anderen Seite her stop gerufen, ich solle das Fahrzeug zurücksetzen und mitkommen.

Wieder rein in ein Büro, dieses war ein Mix aus Conatiner- und Barackenbüro aber mit einem gr0ßen LED-Fernsehmonitor. Der junge Mann um die 30 Jahre begrüßte mich mit einem freundlcihen guten Morgen und bat mich Platz zu nehmen, er hätte einige Fragen zu meiner Person, warum ich alleine reise, wie meine Reiseroute sei, welchen Grenzübertritt ich vorhabe etc. Alle seine Fragen beantworte ich selbstverständlcih wahrheitsgetreu, schließlich hatte ich ja nichts zu verbergen. Er stellte mir danach einen sogenannten Passagierschein aus, der ebenso wichtig ist wie mein Paß. Reiseroute und Aufenthaltsdauer können variieren, jedoch nicht der Grenzausgang. Nachdem ich mich erkundigt hatte wie das Spiel Iran gegen Spanien ausgegangen sei, begann der junge Mann von seiner Mannschaft in den höchsten Tönen zuschwärmen, hatten aber im Ergebnis mit einszunull verloren. Unsere Begegnung hatte sogleich einen anderen Charakter und ich konnte das Büro wenige Minuten danach verlassen.

Damit war der Weg nach zweieinhalb Stunden Grenzübertrittserfahrung geschafft.

Ich hatte auf der Weiterfahrt nach Täbriz dringend Ausschau gehalten nach einer Tankstelle. Da der Grenzübergang offensichtlich wenig in Anspruch genommen werden kann, fehlt es auch an der Infrastruktur. Nach 60 km langen Bangens sah ich dann die erste Tankstelle. Beim Anfahren sahen alle Zapfsäulen gleich aus, mit derselben Beschriftung. Ich entschied mich für die Zaapfsäule mit dem dicksten und längsten Zapfschlauch, da dieser wohl für Lkws vorgesehen ist. In der Tat, es war die richtige Tanksäule und ich konnte aufatmend, den Tank mit 69 Litern bei 70 Liter Fassungsvermögung auffüllen lassen. Es war mehr als knapp – Glück gehabt.

Die Weiterfahrt nach Täbriz verlief unspektakulär und ich fand auf Anhieb eine neues modernes Hotel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.