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Über die Seidenstraße nach Isfahan

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Hamadan war für die antike Seidenstraße eine wichtige Durchgangsstation, die von Bagdad über Kermanshah führte und weiter nach Teheran. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts blühte der alte Handelsweg wieder auf, als Großbritanien und Indien Güter von Bagdad über Hamadan nach Teheran transportiert hatten.

Auf der heutigen Tagesetappe am Montag 25.06. fällt mir auf, daß die Straßen nun einen deutlich besseren Zustand aufweisen, als dies in Kurdistan der Fall war. Dagegen war das Verkehrsaufkommen deutlich niedriger als zwei Tage zuvor auf der Strecke Täbriz nach Kermanshah. Die Fahrt verlief unspektakulär und ich kam gegen 15 Uhr in Isfahan an.

„Nesf-e Jahan“ – die Hälfte der Welt sei Isfahan, sagt ein persisches Sprichwort. Die Stadt gefällt mir von Anbeginn, als ich mich in kleinen Gassen, die mit Alleebäumen umsäumt sind, verfahren hatte. Hier half mir ein Shopbesitzer, der auf seinem Motorrad vorausfahrend, mich zu meinem Wunschhotel dem Abbasi Hotel führte.

Das Abbasi Hotel ist eine ehemalige königliche Karawanserei und ein Höhepunkt selbst auf der Seidenstraße. Sehenswert ist vor allem der Innenhof des Hotels, der unschwer den Charakter einer Karawanserei erkennen läßt, mit seinem traditionellem Teehaus.

Blick in den Innenhof der ehemaligen königlichen Karawanserei.

Ich habe mich als Reiseveranstalter aus Deutschland vorgestellt, der die Seidenstraße befährt und das Hotel ein „must be“ sei auf meiner Reise. Offensichtlich konnte ich den Mitarbeiter an der Rezeption überzeugen, mir ein Zimmer im alten Flügel für zwei Nächte zu geben. Dies ist deshalb bemerkenswert, da ohne Reservierung in der Regel keine Zimmer zu bekommen sind und Anfragen über iranische Reiseveranstalter in der Vergangenheit bisher immer negativ ausgefallen sind.

Am Abend buchte ich für den nächsten Tag eine Stadtführung mit Schirin, die beste Reiseführerin von Isfahan, so wurde sie mir vorgestellt und empfohlen.

Heute ist Dienstag der 26. Juni und die Temperaturen pendeln um die 40°.

Isfahan ist Irans drittgrößte Stadt und steckt voller Superlative – angefangen beim riesigen Meidan-e Iman, dem „historischen „Abbild der Welt“ Platz mit seinem angrenzenden Basar und über eine Vielzahl eindrucksvoller Moscheen und Paläste. Mit den 11 Brücken über den Zayandeh Rud Fluß, der allerdings seit Jahren kein Wasser mehr führt, erinnert mich diese Stadt an Paris. Partnerstädte sind u.a. Xian, Florenz und Freiburg.

Ich traf mich mit Schirin um 8.30 Uhr und mit ihrem Peugeot „Pars“ – ich glaube es ist ein Synonym für eine frühere Version des Peugeot 405, der in Lizenz hier hergestellt wird – fuhren wir zur Pol-e Chadschu, ein zweistöckiges Brückenbauwerk aus dem Jahr 1650. Die Brücke hat 23 unterschiedlich breite Bögen, ist 132 m lang und 12 Meter breit. Da sie zweigeschossig ist, kann man auf zwei Ebenen den Fluß bzw. das Trockenbett überqueren.

Pol-e Chadschu über dem Zayandeh Rud

Arkaden der Ebene 1 der Po-e Chadschu mit Morgenruhenden

Von der Po-e Chadschu Brücke hinauf zum Hügel des Feuertempels. Die Zarathustrische Gemeinde in Isfahan hat sich nie wieder von den Verfolgungen im 18. Jahrhundert erholen können. Heute hat sie ungefähr noch 500 Mitglieder. Der alte Feuertempel Atashgar enstammt aus dieser Zeit.

Zarathustrischer Feuertempel von Isfahan.

Eine architektonische Besonderheit stellen die „schwankenden“ Minarette dar. Ich muß eingestehen, ich habe nicht verstanden und könnte die Erklärungen Schirins nicht nachvollziehen, warum die Minarette schwanken und warum dies überhaupt so vorgesehen war. Da habe ich zuhause noch Nachhollesebedarf.

Schwankende Minaretts

Das orthodoxe Christentum findet Zeugnis in der armenischen Kirche aus dem Jahre 1655 wieder. Die Kirche bildet mit dem Unabhängigkeitsdenkmal und der Erinnerungsstätte an den Genoizid ein Zentrum armenischer Geschichte.

Armenische Kirche aus dem Jahr 1655.

Das Kircheninnern besticht mit eindrucksvollen Wandmalereien.

Blick ins Kirchenschiff

Ein Versuch, eine Kirchenwandseite photographisch zu erfassen.

Wandpanorama der Kirchenseitenwände.

Schirin übertraf mit ihren vortrefflichen Ausführungen meine Wissensbegier sehr deutlich und ich machte den Vorschlag, daß wir uns mit dem Besuch von besonderen Geschäfte uns von der Geschichte in der Gegenwart erholen könnten. So tranken wir Tee, während der Inhaber eines ansprechend gut geführtem Teppichgeschäfts mich auf Muster der Seidenstraße aufmerksam machte,

Teppich mit Seidenstraßenmuster.

Ich ließ mir die Kunst des Blockdrucks von Tischdecken erkären, was in einem „Klein-Bazar“ gezeigt worden ist.

Blockdrucker bei der Anfertigung von Tischdecken

Auf großen Gefallen bei mir stieß die Kunst der Miniaturen. Aus wettbewerblichen Gründen wollte der Geschäftsinhaber aber nicht, daß ich die Kunstwerke photographierte, da er Sorge hatte, daß seine Unikate nachgemacht werden.

Dafür wurde die Kunst der Emailierungen und die Kunstgegenstände gezeigt. In 7 Arbeitsschritten wird aus einem Kupferrohling eine emailierte Schale.

Von der Kupferschale zum emailierten Ergebnis

Der Meidan-e Iman (560 x 160 Meter) wie der Platz Nagsh-e Jahan (Entwurf der Welt) oder später Meidan-e Shah (Königsplatz) dann nach der Revolution umbenannt worden ist, wird von vier markanten Gebäudenkomplexen eingerahmt. Im Süden liegt die einst Königsmosche genannte Iman-Moschee, im Osten die Scheich-Lotfolla-Moschee, im Westen der Ali-Kapu Palast (Hohe Pforte) und im Norden das Hauptportal zum Basar Quaiserieh.

Dies alles wurde unter dem bauwütigem Herrscher Scha Abbas I, 1567-1629, der seine Residenz mit großangelegten Umgestaltungen vollzog.

Eingangsiwan der Iman Moschee

Deckengewölbe der Scheich-Lotfollah-Moschee mit Pfauenschwanz Richtung Mekka zeigend

Ein Genuß für Teeliebhaber war das Probieren eines Safrantees. Hierzu werden Kadamon, Rosen, Safran und Malve verwendet – ein köstliches Erlebnis zum Abschied der Stadtführung.

Verschiedene Safranqualitäten eines Spezialgeschäftes

3 thoughts on “Über die Seidenstraße nach Isfahan”

  1. Kurt Gilles sagt:

    Hallo Herr Härle,

    eine Frage zur Straßenverkehrsordnung:

    Stimmt es, dass man auf der Seidenstraße immer Vorfahrt hat, auch ohne Verkehrsschilder?

    Auch weiterhin eine schöne und unfallfreie Fahrt !

    1. Hallo Herr Gilles, das gilt grundsätzlich, nur soll man sich dann über die Folgen im Klaren sein. Kamele sind auf Straßenwegen zu finden, wo eben keine Verkehrsschilder die Vorfahrt regeln. Es kommt halt darauf an, wie der Wasserdurst sich regelt um ans Ziel zu kommen.

  2. Harald List sagt:

    Hochinteressantes Bild zur Emaillierung der Schale.

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