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Von Khorogh über den Ost-Pamir nach Osh in Kirgistan

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Ich hatte mir vorgenommen, am Mittwoch 08.08. um 8 Uhr Khorogh zu verlassen, da mußte ich noch etwas Vorräte auf dem Bazar einkaufen für den Mittagstisch der kommenden drei Tage.

Ausfahrt Khorogh entlang des Ghund Fluss.

An der ersten Kontrolle, bei der das Permit überprüft wird, fragte mich ein Polizeioffizier ob er mitfahren dürfe. Weder wohin noch wie weit er mitfahren wollte war unklar, er sprach kein Englisch und ich kein Tajik. Ich willigte ein und dann ging die Fahrt entlang von Straßendörfern weiter in die Berge hinauf. Mein Beifahrer ist mittlerweile eingenickt und nach ca. einer Stunde wachte er auf und zeigte nach vorne, da wolle er aussteigen. Er bedankte sich kurz und ging weiter seines Weges und ich den meinigen.

Berg- und Talwelt des Pamir.

Nach vier Stunden Fahrt auf schwierigem Straßenterrain kam der Anstieg zum Koitezek Pass mit 4.271 m Höhe üNN. Stellenweise mußte ich im ersten Gang fahren, so steil und schlecht war die Straße. Kurz vor der Paßhöhe stieß ich auf Bekannte aus der Pamir Lodge in Khorogh, die bewunderswert mit ihren Fahrrädern den Pass angehen. Gerne nahmen sie das kühle Wasser von mir an und nach einer kurzen Trinkpause verabschiedete ich mich wieder von Ihnen.

Homestay in Bulunkul.

Mein heutiges Ziel war Bulunkur, das etwa 20 km abseits des M41, also des Pamir Highways, liegt. Das 400 Seelendorf liegt nahe dem gleichnamigen See auf 3.737 m üNN. Hier sollen die Berge sich in verschiedenen Farben zeigen. Der See ist ein Salzsee, einer von 4 Seen in der Gegend, wobei der ca. 10 km entfernte Jashikulsee der größte See ist. Im Dorf gibt es mehrere Homestays, ich habe mich für das erste mamens Nisso Homestay entschieden. Zunächst wurde mir ein Platz auf dem Boden angeboten, wie und wo die Tajiker gewohnt sind zu schlafen, später bekam ich ein Zimmer mit einer Bettcoach. Ein kleiner Rundgang durch das Dorf zeigte mir die große Armut in aller Deutlichkeit. Junge Mädchen spielten Fußball, andere Mädchen vergnügten sich spielend in einem chinesischen Minibus.

Kinder in Bulunkur.

Ich machte meine Gastgeberin darauf aufmerksam, daß ich ein paar Geschenke für die Kinder hätte, was anfangs nicht verstanden wurde. Erst als ich die Sachen zeigte, Kugelschreiber, Notitzbücher, Spielzeug und Süßigkeiten rief sie die ersten zwei Kinder herbei. Alle zwei zeigten eine gewisse Scheu, aber sie freuten sich sehr an den Sachen. Dann reihte sich die nächste Gruppe Kinder vor das Auto und nachdem alle ihr Geschenk hatten, bedankten sich die Kinder artig mit „thank you“ und liefen zu Ihren Häusern zurück.

Zum Abendessen gab es Lagman, das tadschikische Nationalgericht als Suppe mit Nudeln, Kartoffeln, Möhren und Fleisch und als Hauptgang frittierter Fisch, dazu wurde Brot gereicht. Verfeinern konnte ich die Suppe mit saurem Joghurt und zum Trinken gab es schwarzen Tee. Biskuitkekse als Dessert rundeten das Menue ab. Weitere Gäste waren drei Touristen aus Spanien, die nach dem Essen das Homestay verließen. Ich legte mich früh schlafen, wachte nach Mitternacht auf und hatte große Probleme mit der Höhe. Das Atmen fiel mir immer schwerer und die Kurzatmigkeit ließ mich nicht mehr einschlafen. So wälzte ich mich von einer Seite auf die andere durch die Nacht. Als der Wecker um halbsechs klingelte, fiel ich kurz danach in Schlaf und konnte so noch eine halbe Stunde Schlaf finden bis ich wieder erwachte.

Der Tag war schon angebrochen, als ich mich zu einem schnellen Frühstück mit Kaffee und Fladenbrot an den hellblauen Plastiktisch setzte. Ich bezahlte bei der Gastgeberin und trat ins Freie. Wie sehr enttäuschte mich das Panorama. Anstelle leuchtender Farben, nun eingehüllt in den Morgendunst, die Berge. Sehr schade aber die Natur ist die Stärkere und so setzte ich mich ins Auto und fuhr los.

Bergwelt von Bulunkul im Morgendunst.

Auf dem M41 wieder angekommen traf ich auf ein junges schweizerisches Paar, das gerade beim Frühstücken war. Auf ihrem 4WD Subaru-Minibus stachen zwei Aufkleber mir ins Auge, die an den Vordertüren plaziert waren: „Mongul Rally“, eine Rally für alte Autos mit bis zu 1,2 l Hubraum wurde mir erklärt. Der britische Veranstalter möchte damit ein Zeichen für ein langsames Entdecken fremder Länder und Kulturen setzen. Start war Prag und das Ziel ist Ulan Bataar, Hauptstadt der Mongolei. Die Telnehmer bezahlen einen Teilnehmerbeitrag und können zusätzlich freiwillig eine Summe der veranstaltenden Organisation spenden. Ein weiterer freiwilliger Klimabeitrag ist dann vorgesehen für die klimaneutrale Kompensation der erhöhten Umweltbelastung durch die alten Autos. Auf mich wirkt die Veranstaltung wie ein Marketinggag für den Veranstalter, der offensichtlich dem schlechten Gewissen der Teilnehmer die fiannzielle Absolution zukommen läßt. Es war ein offener Erfahrungsaustausch und eine angenehme Gesprächsatmosphäre. Wir haben uns dann auf dem Weg nach Murgab immer wieder getroffen bzw. überholt.

Bauernhof mit Jurten-Homestay in Alichur.

 

Friedhof von Alichur.

Jetzt hatte ich mit dem Überqueren des Neizetasch-Passes mit 4.137 m üNN endlich den Ostpamir, einen der schönsten Abschnitte vom Dach der Welt, erreicht. Die Wucht der Schönheit der Berge ist schier unbeschreiblich.

Bergwelt des Pamir.

Großartig die Weite der Täler, die nun eingeengt von Bergen die steil in vielen Farben von schmutzig grauweiß bis zu leuchtenden Erdfarben von hellbraun bis rostrot in die Höhe ragen. Im Hintergrund zeigen sich immer wieder die schneebedeckten Gipfel der Bergspitzen über 6.000 m üNN. Das Licht der Sonne wechselt mit Schatten ab, die Temperatur sind angenehm mit 24° Celsius.

Reiter auf Jaks kurz vor Murgab, Pamir.

Ein herrlicher Tag im Pamir und das Auto zeigt sich von der stabilen Seite, was ich Aider nach Ankunft in Murgab kurz telefonisch mitteilte.

Das Pamir Hotel hat eine sowjetische Vergangenheit, es ist stark heruntergekommen bzw. es ist über die Jahrzehnte abgewohnt mit Instandsetzungsrückstau.

Pamir Hotel in Murgab.

Es ist das einzige Hotel am Platz und wird daher in seiner bescheidender Art doch von den Bikern und von Autotouristen angenommen.

Bazar von Murgab, Pamir.

Unweit vom Hotel befindet sich der Bazar, der sich jedoch als eine Containerhochburg aus alten sowjetischen Unterkunftscontainern und modernen vergessenen Containern der Seeschifffahrt zusammenfügt. Ein sehr ungewöhnliches Bild für einen Marktplatz, aber der Mangel oder die Verfügbarkeit von Shop-Alternativen prägen dieses Bild.

Produkte der neuen Seidenstraße auf dem Bazar von Murgab.

Die Geschäfte werden meist von den Pamir-Kirgisen geführt, die auch den großen Anteil der Weiderancher auf dem Ost-Pamir stellen.

Pamir-Kirgise auf dem Bazar von Murgab.

Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, daß hier in Murgab die Wurzeln und Orientierung nach Kirgistan stärker ausgeprägt sind als nach Khorogh oder nach Duschanbe. Hier in Murgab führt eine Straße nach Osten zum Kuma-Pass mit 4.369 m üNN, der die Grenze zu China in ca. 60 km Entfernung bildet.

Morgen am Freitag, 10.08. wierde ich den 3. Teil des Pamir Highways angehen mit zwei Höhepunkten, dem höchsten Paß mit 4.655 m üNN und mit schwierigen Teilstücken bedingt u.a. durch den Wegfall einer Brücke.

Die letzte Etappe in Tadschikistan begann ich sehr frühzeitig mit einem Frühstück um sechs Uhr. Das Morgenlicht läßt die Weite der Täler fast unendlich erscheinen, der M41 verschwindet am Horizont. Die hintereinander liegenden Bergketten vermitteln den natürlichen Schutz, sodaß nie das Gefühl des Verlorensein sich breitmacht.

Alter Friedhof von Murgab vor Bergkulisse.

Nach drei Stunden Fahrt auf den Hochebenen des Dach der Welt

Vor dem Anstieg zum Ak-Baytal-Pass, 4.655 m üNN.

kletterten wir den höchsten Paß des Pamirs hoch,

Ak-Baytal-Pass.

gefolgt von einer Stunde Fahrt auf Wellblechpiste, bis ich den Karakulsee erreichte.

Ziegenherde in der Nähe des Ak-Baytal-Pass.

Pamir Kirgesenhirte mit Hund.

Karakul-See.

Dieser ist der größte See Tadschikistan, er ist abflusslos und Zulauf und Verdunstung halten sich in etwa die Waage. Das Wasser ist dadurch leicht salzig. Nördlich des Sees wacht der Pik Lenin mit 7.134 m üNN einer der höchsten Berge Tadschikistans mit seiner kalten Schulter.

Kalte Schulter des Pik Lenin mit Border Fence zu China.

Der tadschikische Grenzposten liegt auf dem Kyzyl-Art-Paß in 4.280 m Höhe üNN. Der ganze Bereich läßt eine Ähnlichkeit mit einer Ansammlung an Ställen am besten vergleichen, die nicht nur von außen so erscheinen, sondern in den „Büros“ auch tatsächlich so sind. Es ist einfach unbeschreiblich, wie armselig diese Arbeitsplätze sind. So erscheint es auch beinahe verständlich, daß diese Öde mit jeweils kleinen Geldbeiträgen etwas lebenswerter macht. Das Ausreiseprozedere war ansonsten unkompliziert und wäre auch schnell durchgeführt gewesen, wenn ich nicht selbst ein großes Zollproblem geschaffen hätte. Es dauerte über eine Stunde bis ich überzeugend klarmachen konnte, daß ich weder geeignet bin arrestiert zu werden, noch daß ich die 3-tägige Rückfahrt nach Khorogh antreten wolle sondern ich dringend nach Kirgistan ausreisen müsse.

Der M41 im Niemansland.

Wie froh war ich, daß ich Gorno Badachschan verlassen und die nächsten 25 km Niemansland durchfahren konnte, bis der kirgissische Grenzposten erreicht war.

M41 im Niemansland mit weggespülter Brücke.

Die Einreise verlief problemlos, ein Einfuhrzoll für das Auto mußte ich entrichten, ansonsten war die Zollkontrolle korrekt und kurz gehalten. Die nördlichen Ausläufer des Pamirs veränderten die Landschaft hin zu sanften begrasten Berghängen. Im Tal sticht das satte Grün der Weiden hervor, das von Rindern und Pferden intensiv angenommen wird.

Kirgisische Jurten am Nordhang des Pamir.

Fleisch ist die Hauptnahrung der Kirgisen und die Landwirtschaft kann dieses Bedürfnis auch autark befriedigen.

Kirgisische Pferdezucht im Vorfeld des Alai.

In Sary Tasch, dem Kreuzungspunkt von ost-west und nord-süd verlaufender antiker Seidenstraßenpfaden und der erste Ort auf kirgisischer Seite, wird die Straße wieder zu einer im Wortsinn gewohnten Angelegenheit. Schlaglöcher und Schotterpiste gehören jetzt wohl der Vergangenheit an und die Straße nach Osh in 180 km Entfernung schlängelt sich zunächst zum Taldykpass des Alai Gebirges mit nur noch 3.589 m üNN hoch.

Passmäander im Alai.

Es herrscht reger Verkehr und die Rinder und Pferde ziehen auf der Straße und am Straßenrand in ihre abendliche Stallunterkunft zurück. Das Alai Gebirge erscheint geologisch ähnlich vielfältig zu sein wie der Pamir. Die Berge verändern sich stetig und die kurvenreiche Straße führt entlang des Gultschaflusses zur zweitgrößten Stadt Kirgistans nach Osh.

Osh erreichte ich gegen 18 Uhr 30 , war für die 410 km von Murgab ca. 12 Stunden unterwegs und freute mich auf ein Bett und einen durchgehenden Schlaf.

PS  Es gibt nun Musik vom “Roof of the world” Festival.

3 thoughts on “Von Khorogh über den Ost-Pamir nach Osh in Kirgistan”

  1. Harald List sagt:

    Schön, dass es weitergeht.
    Ein paar Hinweise zu einigen Ortsnamen und ihren Bedeutungen:
    -kul ~ -see (türkeirürkisch: -göl)
    Karakul Schwarzsee
    Sari tasch Gelbstein, gelber Stein
    kyzyl rot
    ak /aq weiss

    Murg-âb Vogelwasser (tadschik. Name)

    Gute Weiterfahrt!

  2. Tobago14 sagt:

    Einfach fantastische Berichte, die ich immer wieder lesen muß. Es ist nicht nur eine Erlebnis-Reise sondern eine Abenteuer-Reise, die nur mit Mut und viel Zuversicht so durchgeführt werden kann. Weiterhin viel Glück und alles Gute.

  3. HGZ sagt:

    Die Kombination von Reisebericht und Bildern ist spannend und bringt die Landshaft nahe

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